Deutsches Institut für Normung e. V.

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ISO/TC 154 und das elektronische Geschäftswesen

ISO/TC 154 - einer der Standardsetzer für eBusiness ISO/TC 154 - einer der Standardsetzer für eBusiness

In den späten Achtzigern und den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte das ISO/TC 154 "Processes, data elements and documents in commerce, industry and administration" seine Blütezeit. Die Normung von Vordrucken und die angehende Entwicklung einheitlicher Standards für den elektronischen Datenaustausch (EDI) waren die grundlegenden Aufgaben dieses Technischen Komitees. Mit der Übernahme des Sekretariats durch das NEN (Niederlande) und der Bestätigung von Mr. Robert Schubenel (GS1 International) als neuer Chair sollen neue Zeichen und Prioritäten gesetzt werden.


Nach jahrelanger Konzentration auf das Vordruckwesen und dem Aufbau eines Repositories für die in den Vordrucken verwendeten
Datenelemente wurde im ISO/TC 154 die Basis geschaffen, um den ersten branchenübergreifenden und gleichzeitig internationalen EDI-Standard zu standardisieren: EDIFACT (Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport) war geboren. Mit der Verabschiedung der EDIFACT-Syntax als ISO 9735:1988 wurde im ISO/TC 154 ein Meilenstein gesetzt. Da die Arbeiten parallel mit dem Handelsausschuss der Vereinten Nationen - Untergremium UN/CEFACT - durchgeführt wurden, spricht man offiziell auch von UN/EDIFACT.

In den darauf folgenden Jahren begann ein regelrechter Run auf die Entwicklung von syntaxkonformen Bausteinen und letztendlich von UN/EDIFACT-Nachrichtentypen. Heute stehen rund 200 Stück zur Auswahl, von der häufig verwendeten Rechnung (INVOIC) über die Zollanmeldung (CUSDEC) und den Speditionsauftrag (IFTMIN) bis zum multiplen Zahlungsauftrag (PAYMUL). Praktisch alle Branchen haben in UN/EDIFACT ihre Nachrichtentypen beschrieben und pflegen sie noch heute.

Parallel wurde im ISO/TC 154 die UN/EDIFACT-Syntax weiter verfeinert und ausgebaut. Die aktuelle Version 4.1 aus dem Jahr 2003 besteht aus insgesamt 10 Teilen und umfasst auch sicherheitsbezogene Aspekte, die Einbindung von Fremddaten in einer EDIFACT-Übertragung und Service-Meldungen.

Die nationale Begleitung der UN/EDIFACT-Aktivitäten inklusive dem Vordruckwesen wird vom NIA-03-03 AA "Elektronisches Geschäftswesen" wahrgenommen. Das Gremium wurde in den Achtziger Jahren unter dem Normenausschuss Bürowesen (NBü) gegründet und zeichnet für eine Vielzahl relevanter Übersetzungen der englischen Originaldokumente verantwortlich. Darüber hinaus war die deutsche Delegation ein fester Bestandteil der halbjährlichen Sitzungen der ursprünglichen "UN/EDIFACT Joint Rapporteurs' Meetings".

Mit dem Aufkommen von XML in 1998 und der darauf basierenden Initiative ebXML (electronic business XML) wandelte sich das Bild. Auf den UN/EDIFACT-Sitzungen wurde XML als neue Syntax präferiert - die EDIFACT-Nachrichtenentwicklung stagnierte. Heute stehen Themen wie Geschäftsprozessmodellierung und Core Components (= syntaxunabhängige Kernelemente) auf der Tagesordnung. Währenddessen erfährt die fast verblasste Vordrucknormung eine Renaissance: statt Rahmenmuster für Handelsdokumente heißt die Devise heute "electronic Layout Key". Auf Basis des seit 2006 erstmals veröffentlichten Core Components Library soll ein Master für ein elektronisches Handelsdokument erarbeitet werden. Darauf basierend können dann wiederum entsprechende Derivate abgeleitet werden, um spezifische Geschäftsvorfälle in den unterschiedlichsten Bereichen abzudecken.

Nachdem es in den vergangenen Jahren um das ISO/TC 154 etwas verhaltener geworden ist, soll die Neubesetzung des Sekretariats und des Chairs neuen Schwung in die teilweise ruhenden Aktivitäten bringen. Ende November wird das ISO/TC 154 mit der neuen Besetzung beim WCO (World Customs Organization) in Brüssel tagen. Allein der Veranstaltungsort vermittelt Signalwirkung: die WCO hat sich schon vor einigen Jahren dem ISO/TC 154 zuerkannt und unterstützt insbesondere die Schaffung einheitlicher Repositories für den grenzüberschreitenden Datenverkehr.

Nur wenige Tage vor der Sitzung in Brüssel wird der NIA-03-03 AA "Elektronisches Geschäftswesen" beim DIN in Berlin eine vorbereitende Sitzung abhalten. Nachdem auch hier die Aktivitäten in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, sollen einige administrative Angelegenheiten dem aktuellen Stand der Dinge angepasst werden. So ist beispielsweise vorgesehen, eine DIN-TAG (Technical Assessment Group) im NIA-Gremium zu etablieren, um die nationalen Interessen adäquat zu registrieren und in die entsprechenden Aktivitäten bei der UN/ECE und der ISO einzubringen.

Interessenten für dieses Thema melden sich bitte bei Herrn Dipl.-Ing. Bernd Bösler (Tel. 030/2601-2488).

Ansprechpartner

Herr Dipl.-Ing.  Bernd Bösler
Burggrafenstr. 6
10787 Berlin
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